Wort Gottes

»Das Wort Gottes kam zu einem namhaften Bibeltheologen, dessen Buch vom Wesen und Wirken des Wortes Gottes demnächst erscheinen sollte.
›Sie kommen mir höchst gelegen‹, sagte der Professor, ›von meinem Buch haben Sie wohl schon gehört? Ich läse Ihnen gern einiges daraus vor.‹ – Das Wort Gottes nickte: ›Lesen Sie, Herr Professor, ich
bin ganz Ohr.‹ – Er las, es schwieg. Als er zu Ende gelesen, das Manuskript weggelegt hatte, sah er auf, und da sah er den Blick … Er wagte nicht zu fragen. Endlich sprach das Wort Gottes: ›Meisterhaft, Herr Professor, mein Kompliment! Aber – ob Sie es wohl verstehen? Wissen Sie, als Objekt betrachtet, besprochen, beschrieben wird mir seltsam zumute, grad, als ob ich meine eigene Leiche sähe … Einmal schreiben Sie, und das finde ich sehr treffend, ich wolle primär nicht Wahrheiten offenbaren (für wahr zu haltende Wahrheiten, sagten Sie), ich wolle vielmehr den Menschen selbst. Das wär’s, Herr Professor, genau das!‹ – Und da war wieder der Blick.
Das Wort Gottes erhob sich und schritt zur Tür. – ›Was wollen Sie von mir?‹ schrie der Professor ihm nach. ›Sie will ich‹, sagte das Wort Gottes, ›Sie!‹. Die Tür schloss sich leise.«*
Auch der Bibelgelehrte bleibt die Antwort schuldig. Doch wir wissen ja: »Für Menschen ist sie unmöglich, aber nicht für Gott. Denn für Gott ist alles möglich.«

Foto: Markus Weinländer, Pfarrbriefservice

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Petra Bungarten schreibt zum Sonntag des Wortes Gottes und wirft schon einen Blick auf das Bibelprojekt in der ganzen Fastenzeit. Foto: © Marion Leineweber
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