Ein Lamm, eine Taube … und Wasser.

Die Tränen der jungen Frau, die in Lützerath von Polizisten weggetragen wird, die riesigen Schaufelbagger des Energiekonzerns RWE, die PolitikerInnen in ihrem Hin-und-Her-Gerissensein – all das zeigt die Verletzlichkeit der Geschöpfe. Es ist die Brücke zum verletzlichen Lamm, von dem im Evangelium zum zweiten Sonntag der Jahreszeit die Rede ist.

“Seht das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt!” So ruft Johannes der Täufer aus und zeigt auf Jesus. Die Sünde der Welt ist offensichtlich, die wir begehen an der Schöpfung und damit an vielen Menschen heute und erst recht an zukünftigen Generationen. Und es soll ein Lamm sein, das diese Sünde hinwegnimmt?

Die Versündigung an der Schöpfung wird nicht durch einen gewaltsamen Gott aus der Welt geschafft. Vielmehr haben wir an Weihnachten gefeiert, dass der Schöpfergott sich auf die Verletzlichkeit der Schöpfung einlässt, indem er als kleines, verletzliches Kind geboren wird. Dieses Menschenwesen durchlebt alles, durchleidet alles, stirbt schließlich verletzlich am Kreuz. Damit ist alle Verletzlichkeit des Lebens aufgenommen in das Leben Gottes. Der gute Hirt macht sich selbst zum Schaf, wird zum Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt. Der menschgewordene Sohn Gottes nimmt alle Verletzlichkeit an, um sich als Heiland, als Retter zu erweisen. Er heilt Kranke, er ermutigt zum Vertrauen auf Gott statt auf irdische Güter, er setzt auf Gewaltfreiheit als Durchbrechen aller Spiralen der Macht, er glaubt an die Auferstehung, die ihm selbst geschenkt wird. Alle Sünde, alles, was ab-sondert von Gott, von mir selbst, von anderen, von der Schöpfung wird hinweggenommen. Im Glauben wird meine, wird unsere Verletzlichkeit zum Anker für Gottes Heil, für Gottes kraftvolles Wirken.

Wie verletzlich und klein komme ich mir vor angesichts der Herausforderungen, Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung zu verwirklichen. Gott, lass aus dieser Verletzlichkeit Mut und Kraft erwachsen, aus dem Teufelskreis von Sünde und Gewalt an der Mutter Erde auszubrechen. Lass mich die Verletzlichkeit der Natur mit allen Fasern und Sinnen spüren und zur Kraftquelle werden im Eintreten für ein lebenswertes Haus, das die Erde sein soll heute und auch in Zukunft. Schenk auch mir die Geistkraft der Taube und die sprudelnde Quelle des Wassers.

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Petra Bungarten schreibt zum Sonntag des Wortes Gottes und wirft schon einen Blick auf das Bibelprojekt in der ganzen Fastenzeit. Foto: © Marion Leineweber
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