Kirchliches Immobilien Management

Weniger Geld für Baumaßnahmen - oder -

Welche Gebäude benötigt die Pastoral der Zukunft?

Warum KIM?

Zunächst:

Wegen fehlender Geldmittel muss das Bistum Aachen seine Zuschüsse zu Baumaßnahmen in den Pfarren im ein Drittel kürzen.


Aber auch:

Gleichzeitig ist festzustellen, dass die veränderten Rahmenbedingungen kirchlichen Handelns ein neues Raumkonzept erforderlich machen:

  • Die Zahl der Gottesdienstbesucher nimmt insgesamt ab.
  • Mehrere Gemeinden finden sich in der großen Pfarre St. Lukas zusammen.
  • Relevant für die Gläubigen ist immer weniger die Kirche des eigenen Stadtteils als vielmehr die Wahlgemeinde irgendwo innerhalb der Pfarre.
  • Es wird zukünftig weniger Priester und hauptamtliche Laien im pastoralen Dienst geben, um die sich die Gemeinden bilden.
  • Gemeindemitglieder haben veränderte Erwartungen und Anforderungen an die Kirche, ihre Angebote und die Rahmenbedingungen ehrenamtlichen Engagements.

Was ist KIM-Prozess?

In einem Entscheidungsprozess werden von allen pastoral genutzten Gebäuden (Sakralbauten, Gemeindezentren, Büro- und Amtsräume) diejenigen benannt, für die zukünftig bei Baumaßnahmen noch eine Bezuschussung durch das Bistum Aachen erfolgen soll. Wirtschaftlich genutzte Gebäude (Vermietungen etc.) und Kindergärten bleiben hierbei unberücksichtigt.
Das Gebäudekonzept wird am Ende des Entscheidungsprozesses von Kirchenvorstand und Pfarrgemeinderat beschlossen und bedarf der Zustimmung des Bistums.

Wie geht ein KIM-Prozess?

Für jedes Gebäude wird jährlich eine Instandhaltungsrücklage gebildet, die sich aus der Größe des Gebäudes (umbauter Raum) und den zu erwartenden Kosten für den jeweiligen Gebäudetyp (durchschnittlicher Erfahrungswert) errechnet. Die jährliche Instandhaltungsrücklage ist der Maßstab dafür, wie 'teuer' im Unterhalt ein Gebäude ist. Sie ist also der Indikator für die Kostenrelevanz eines Gebäudes.
Ziel des Entscheidungsprozesses war es, in der Pfarre St. Lukas diejenigen Gebäude zu benennen, die für das pastorale Handeln der Pfarre zukünftig dringend notwendig sind bzw. deren Nutzung dauerhaft pastoral sinnvoll ist. Die Instandhaltungsrücklage dieser Gebäude durfte 66% der jetzigen Rücklage für alle Gebäude nicht überschreiten.

Verlauf des KIM-Prozesses in der Pfarre St. Lukas

Für die Pfarre St. Lukas startete dieser Entscheidungsprozess im April 2011. Eine Projektgruppe, in der alle Gemeinden vertreten waren, erarbeitete mit Unterstützung von zwei externen Gemeindeberaterinnen und begleitet von zwei Vertretern der Fachabteilungen der bischöflichen Verwaltung einen Entscheidungsvorschlag. Dieser wurde am 25.03.2012 auf einem gemeinsamen Konferenztag von Kirchenvorstand, Pfarrgemeinderat und Pastoralteam ausführlich beraten und verabschiedet. Im Juli 2012 hat der Bischof von Aachen das vorgelegte Konzept genehmigt.


KIM-Entscheidung

Was geschieht mit Gebäuden, die aus der zukünftigen Baubezuschussung herausgefallen sind?

Die Nutzung eines Gebäudes kann zunächst fortgeführt werden bis eine neue Nutzung gefunden ist. Da aber keine Baumaßnahme mehr finanziert wird, ist die Nutzung durch den baulichen Zustand (Verfall) zeitlich begrenzt.
Ein zukünftig nicht durch Bistumsmittel gefördertes Gebäude kann weiterhin genutzt werden, wenn die Finanzierung der Instandhaltungsrücklage (z.B. durch eine Stiftung) über sehr lange Zeit sicher gestellt wird. Ansonsten kann die Instandhaltungsrücklage auch durch eine alternative Nutzung des Gebäudes erwirtschaftet werden (z.B. Beerdigungskirche, Vermietung …). Eine nur teilweise Finanzierung der Rücklage durch Fremdmittel ist aber nicht möglich.
Wenn die zukünftige Nutzung finanziell nicht abgesichert werden kann, bleibt letztlich nur die Veräußerung der Immobilie. Im schlimmsten Fall muss das Gebäude dem Verfall preisgegeben werden.

Grundsätzlich beruht das Immobilienkonzept auf der Zusammenschau der Gebäudenutzungen der ganzen Pfarre. Bei weiter zurückgehenden Finanzmitteln ist nach praktikablen Synergiemöglichkeiten zu suchen.

Unter pastoralen Gesichtspunkten und mit Blick auf die sich abzeichnenden Entwicklungen ist auch in jedem Fall vor der Frage der Finanzierung eines Gebäudes die Zweckbestimmung und die Notwendigkeit eines Gebäudes zu prüfen. Nicht alle gebäudliche Infrastruktur entspricht den zukünftigen seelsorglichen Erfordernissen.

Gedanken zu gesellschaftlichen und kirchlichen Entwicklungen

Nicht erst seit den letzten 10-20 Jahren, aber in dieser Zeit verschärft, ist in allen gesellschaftlichen Gruppierungen ein steter Rückgang an Zugehörigkeit festzustellen. Ein Vergleich der Parteienlandschaft damals und heute zeigt, dass die großen Volksparteien mit einem über 40%tigem Zuspruch bei Wahlen rechnen konnten, dagegen heute die beiden großen deutschen Volksparteien
zwischen 20% und 30 % liegen. Nicht anders erging es den beiden großen Kirchen in Deutschland.
Der Blick in die Historie zeigt, wie radikal sich der Rückzug aus dem kirchlichen Bereich vollzog. Zunächst stillschweigend in einzelnen demonstrativen Kirchenaustritten, heute nicht nur im Austritt, sondern auch im gleichgültigen Fernbleiben von den Sakramenten. Von den ca. 20.000 Katholiken, die rein statistisch zur Pfarrei St. Lukas gehören, besuchen maximal 5-10% Gläubige
am Wochenende und Sonntag unsere Gottesdienste. Baute man – gerade aufgrund des hohen Zulaufs - in den Nachkriegsjahren die zerstörten Kirchen und Kapellen Dürens wieder auf und expandierte sogar in den finanzstarken 70ziger und 80ziger Jahren des letzten Jahrhunderts mit Zusatzbauten, wie Pfarrheimen und Jugendhäusern etc., so müssen wir heute mit realistischem
Blick feststellen, dass selbst Angebote, wie die „Nacht der offenen Kirchen“, Segensgottesdienste zu besonderen Anlässen oder Eventgottesdienste nur bedingt oder nur zum größten Teil von kirchennahen Bevölkerungsschichten angenommen werden. Rückläufige Zahlen bei der Feier der Erstkommunion, der Firmung, selbst bei der kirchlichen Trauung, gehören zur Faktizität des Faktischen, wobei die Rückläufigkeit der Geburten und dementsprechend der Taufen diesem Trend Vorschub leisten. Allein die Gottesdienste zum Heiligen Abend, zu den Wallfahrten in St. Lukas oder auch besondere kulturelle Veranstaltungen in unseren Kirchen, füllen noch unsere großen Versammlungsstätten. Neben diesen und sicherlich einigen anderen Gottesdiensten, stellen die Beerdigungsgottesdienste im Reigen der Angebote das fast am meist frequentierte Gebiet kirchlichen Wirkens dar. Dies mag auf den ersten Blick ernüchternd, gar traurig wirken, birgt es aber doch auch eine große Chance, da unser Glaube besonders in diesem – in der Gesellschaft eher
tabuisierten Gebiet – noch eine große Bedeutung hat. Persönlich ansprechende Trauergottesdienste mit dem eindeutigen Fokus auf unsere christliche Hoffnung auf Auferstehung, stellen eine enorme Chance der Verkündigung des christlichen Glaubens dar. Die Aktivitätenlisten unserer Gemeindekirchen belegen den hohen Zulauf bei Trauergottesdiensten und den Bedarf an Raum und Personal. Wie in allen gesellschaftlichen Bereichen, sind die Menschen nicht mehr ausschließlich auf ihre Territorialgemeinde fixiert, sondern wählen im Reigen der kirchlichen Angebote aus.
Ebenso hat sich das ehrenamtliche Engagement von einer permanenten zu einer eher temporären Verpflichtung verändert. Die Mobilität einer globalisierten Welt, prägt auch das Gesicht einer Großpfarrei mit seinen vielfältigen und damit notwendigen Angeboten.

siehe hierzu auch: Innovationsprozess St. Lukas